
Seit etwa einem halben Jahr bin ich jetzt krank. Ich habe Depressionen und bin nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Ich schlafe schlecht ein und schlafe nicht durch. Ich habe Schmerzen und mir fehlt es an Energie. Allerdings war es sehr schwer, mir das einzugestehen, dass ich am Ende bin. Erst als ich begonnen habe, das zu akzeptieren, konnte ich nach und nach etwas zur Ruhe kommen.
Ich habe auch viel gelernt in den vergangenen Monaten. Unter anderem, wie marode unser Gesundheitssystem ist. Gerade diejenigen, die psychisch stark angeschlagen sind, müssen besonders viel Kraft, Energie und Durchhaltevermögen aufbringen, damit ihnen geholfen wird. Wer eine Psychotherapie benötigt, steht erst einmal vor einer Wand. Vieles von dem, was angeblich hilfreich sein soll, erweist sich als Sackgasse. Die bundesweite Rufnummer 116 117 soll ja helfen, einen Arzt- oder Psychotherapietermin zu bekommen. Doch benötigt man dafür einen Dringlichkeitscode, den wiederum nur ein:e Psychotherapeut:in ausstellen darf.
Also muss der depressive Mensch selbst bei den vielen Psychotherapeut:innen anrufen oder sie per Mail anschreiben. Für die Anrufe haben wiederum die verschiedenen Psychotherpeut:innen verschiedene Zeitfenster. Bei dem einen kann man dienstags zwischen 8:30 und 9:30 Uhr anrufen, bei der anderen donnerstags zwischen 15:00 und 15:45 Uhr. Um also einen Therapieplatz zu bekommen, muss man so aufgeräumt sein, dass man sich eine Tabelle aufschreibt mit den verschiedenen Zeiten, zu denen man anrufen darf. Und dann heißt es Glück haben, dass man durchkommt. Sonst muss man eine weitere Woche warten. Das soll nun keineswegs Kritik an den Psychotherapeut:innen sein. Ich verstehe, warum sie das tun müssen: Es gibt viel zu wenig Psychotherapeut:innen, die für die gesetzlichen Krankenkassen zugelassen sind.