Mein Name ist Katharina, ich bin 60 Jahre alt und habe Depressionen.
Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten ab und an mal Situationen gehabt, in denen ich kaum wieder auf die Beine kam. Aber ich habe es geschafft. Das bedeutet aber auch, dass ich wohl schon seit meiner Jugend Depressionen habe. Weder habe ich sie mir eingestanden noch habe ich je Hilfe gehabt.
Aber: ich bin auch stark und strukturiert. Ich habe mich immer wieder selbst aus dem Schlamassel gezogen. Auch in scheinbar ausweglosen Situationen. Und das haben so viele Menschen an mir bewundert.
Heute ist es anders. Seit etwa zwei Jahren habe ich mal mehr mal weniger mehrmals in der Woche Situationen, in denen ich mich völlig energielos fühle und mich hinlegen muss, weil gar nichts mehr geht. Schlafstörungen habe ich auch schon wieder etwa seit dieser Zeit. Ich habe mich deswegen nie verrückt gemacht und darauf gewartet, dass ich eines Tages wegen völliger Übermüdung schon wieder gut schlafen werden könne. Und doch wurde es schlimmer und schlimmer.
Heute sehe ich, dass ich nicht besonders achtsam mit mir umgegangen bin. Und ich wusste nicht, dass ich bereits eine Depression hatte.
Es benötigte eine Aneinanderreihung von belastenden Ereignissen, bis ich jetzt an dem Punkt kam mir einzugestehen, dass ich depressiv bin und mir Hilfe suchen muss.
Wie schwer dieser Weg allerdings ist, war mir nicht klar. Unser Gesundheitssystem ist für kranke Menschen eine Katastrophe, für psychisch-kranke Menschen geht es um ihre Existenz, manchmal auch um ihr Überleben.
Und dennoch habe ich bei allem Glück. Glück, dass ich diesen Hund habe. Den anstrengensten Hund meines Lebens. Und ich habe schon viele Hunde in meinem 60-jährigen Leben gehabt. Dieser Hund hat kaum Impulskontrolle und zerstört Dinge, sobald es mir schlecht geht. Das wiederum zwingt mich, mich mit ihm zu beschäftigen, weil eines nicht in Frage kommt: Dass ich ihn jetzt auch noch abgebe. Er hat genug gelitten. Unter der unfreiwilligen Trennung von meinem Freund und unter meiner Depression. Er hat es verdient, dass ich ihn wahrnehme.
Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass ich auf des Messers Schneide handele. Sobald ich mich zu viel gehen lasse, wird es für ihn wirklich schlecht. Ich schaffe es an manchen Tagen womöglich nicht, genug für ihn zu sein. Und das macht mich wiederum traurig. Und doch ist er der Grund, warum ich morgens aufstehe, warum ich überhaupt so etwas wie Freude für den kommenden Tag empfinde…