Energiesparen mit KerzeEs war einmal ein mittelalter Herr. Er hatte es weit gebracht. Zwar war es ihm nicht gelungen, eine Frau zu finden, somit konnte er auch keine Familie gründen, doch materiell ging es ihm richtig gut. Er konnte sich viele Reisen leisten, ein schönes Heim mit viel Platz und eines Tages erhielt er die volle Dosis Glück. In seinem kleinen Heimatland bekam er die Verantwortung zugeteilt, sich um die Natur und die Energie zu kümmern.

Zwar hatte seine Königin einige Zeit vorher in einer leichten Panikattacke einige unvorbereitete Entscheidungen getroffen, die die Freude an seinem Amt trübten, doch war Alti, so hieß der Herr, voller Fantasie. Und so hatte er schon tolle Ideen, wie die Königin trotzdem zum Ziel kommen könnte und er als kleiner Held da stehen würde.

Das kleine Land hatte seit einiger Zeit das Problem, dass viele Menschen nicht so fleißig waren wie Alti oder die Königin. Sie genossen lieber ihr Leben auf Kosten der Königin, von Alti und anderen Menschen, die stets fleißig waren und ihren Reichtum mehrten. Ein paar von Altis Kollegen und die Königin hatten in den vergangenen Jahren schon dafür gesorgt, dass diese Untertanen es sich nicht ganz so bequem in der Hängematte machten. Einige von ihnen mussten wieder arbeiten für ihr Auskommen. Wenngleich das Auskommen – sozusagen zur Strafe – auch nicht so groß war, dass sie Alti oder seinen Kollegen gefährlich werden konnten.

Nun begab es sich, dass ein paar große Gönner, die fast das ganze kleine Land mit Energie versorgten, über die Entscheidung der Königin enttäuscht waren. Zur Strafe hoben sie die Preise für die Energie an. Schon rührten sich andere große Gönner, die den kleinen Untertanen Arbeit gaben. Sie wollten die hohen Energiepreise nicht bezahlen. Also entschied Alti mit seinen Freunden, dass diese Gönner nicht so viel bezahlen müssten. Dafür sollten die Untertanen einfach noch mehr bezahlen. Viele der Untertanen – dafür hatte die Königin gesorgt – hatten in den vergangenen Jahren ihren Reichtum so wie Alti mehren können. Denen würde es nicht schwer fallen, mehr für die Energie zu bezahlen. Außerdem hatten diese Untertanen vorbildlich in energiesparende Geräte investiert.

Nicht so aber die kleinen Untertanen. Sie hatten einfach ihre alten energiefressenden Geräte behalten. So hatten sie doch selbst Schuld, wenn sie jetzt umso mehr bezahlen mussten, fand Alti. Aber er wollte ja kein Unmensch sein. Damit die kleinen Untertanen nicht zu laut rebellierten und womöglich die mittleren Untertanen noch aufwiegelten, erfand Alti eine neue Beschäftigung für einige kleine Untertanen. Sie mussten ein paar Tage die Schulbank drücken und lernten dort, wie sie die anderen kleinen Untertanen belehren könnten, damit diese einfach ihre elektrischen Geräte sparsamer einsetzen. So könnten sich die kleinen Untertanen das Leben in Altis Heimatland weiter leisten und Alti würde als Held gefeiert werden.

So begab es sich dann auch. Es wurden einige kleine Untertanen zu Energieberatern ernannt. Sie hatten von einigen Gönnern sogar Blend-Geschenke bekommen, die sie zu ihres Gleichen mitbringen durften. Darunter eine Wasserspartaste, die zwar fast niemandem nutzte und mit der man auch keine Energie sparen konnten, aber die Symbolkraft war unübersehbar. Deutlich zeigte sie: wer mich einsetzt, ist bereit zum Sparen. Es machte der Wasserspartaste auch nichts aus, dass ihre Kollegen schon längst in fast jeder Wohnung ihren Dienst machten. Auch dazu gehörte eine neuartige Erfindung: die abschaltbare Steckdosenleiste. Ganz viel Strom sollte man damit sparen können. Man müsste sie nur zwischen die Steckdose und Geräte schalten. Dann könnte man die Geräte an der Leiste ganz einfach abschalten. Auch dabei die Energiesparlampe, ein recht großes Ungetüm mit Gift in sich. Aber von außen kam sie als Energiewunder daher. Wer sie einsetzte, würde im Jahr 7,5 Geldeinheiten sparen können. Dass manche Menschen wegen des schlechteren Lichtes Kopfschmerzen bekamen, Farben nicht mehr richtig erkennen konnten und sie beim Zerbrechen Gift frei setzten würde, wussten die Energieberater nicht und deswegen erzählten sie es den kleinen Untertanen auch nicht. Auch nicht, dass diese Lampen ziemlich teuer waren und häufig gar nicht so lange hielten, wie von den großen Gönnern versprochen.

Ein paar kleine Untertanen ärgerten sich über die Energieberater. Denn sie hatten längst energiesparendes Licht in ihre Wohnungen gebracht. Und auch die Wunderwaffe der schaltbaren Steckdosenleiste hatte sich als trügerisch herausgestellt. In der Theorie ist eben häufig manches anders als in der Realität. So hatte einer der Untertanen fast seine Wohnung verloren, weil die Wunderwaffe einfach Feuer gefangen hatte. Und nach einem Jahr hatte der kleine Untertan auch gar nicht die versprochenen 100 Geldeinheiten gespart, die man so lauthals versprochen hatte. Es waren noch nicht einmal 60, was auf den Monat gerechnet die Kosten für eine warme Mahlzeit mehr ausmachte.

Die kleinen Untertanen rebellierten dann doch ein wenig. So kauften sich einige kleine Kerzen, die sie liebevoll Teelichte nannten. Denn sie gaben so warmes Licht wie eine leckere warme Tasse Tee. 100 von diesen Teelichten kosteten sie gerade mal zwei bis drei Geldeinheiten. Aber diese Teelichte waren die wahren Wunderlichter. Sechs Stunden lang gaben Sie Licht. Und nicht nur das: sie wärmten nebenbei die Luft, so dass die Untertanen einfach die Heizungen in ihren Wohnungen ausstellten. Für die gesparten Geldeinheiten kauften sich die Untertanen wiederum einen warmen Schal, dicke Socken und Pullis, die sie tagsüber anzogen, wenn sie kein Licht brauchten. So konnten sie weiterhin die Heizungen abgestellt lassen.

Die kleinen Teelichte waren auch die tollsten Tausendsassa. Zwei oder drei davon unter einen Topf gestellt, konnten Wasser zum Kochen bringen, machten Äpfel zu Bratäpfeln. Und so ließen die kleinen Untertanen auch die Herde und Backöfen ausgestellt. Bald bemerkten die kleinen Untertanen, dass es den mittleren Untertanen, den Damen und Herren sowie den Gönnern ziemlich egal war, was die kleinen Untertanen machten. Und so dachten sich die kleinen Untertanen, dass sie auch keine Waschmaschinen anstellen mussten. Die Kleidung konnte lüften und ausgebürstet werden. Im Winter machte der Schnee auch so machen Flecken weg. Vor allem in der Kleindung, die aus der Wolle von Tieren gemacht war. Sie bekam ein ganz frisches Aussehen.

Im Sommer nutzten die kleinen Untertanen die Sonne, um ihr Wasser – welches sie mittlerweile vom Regen sammelten – wunderbar wärmte. So konnten sie sich und ihre Kleidung auf ganz angenehme Art waschen.

Kurz und gut. Der Einsatz der Energieberater hatte es geschafft: die kleinen Untertanen nutzten gar keine elektrische Energie mehr. Aber das war gar nicht so positiv. Zum einen waren die mittleren Untertanen nicht glücklich darüber, dass sie ihre Wohnungen viel mehr heizen mussten, wenn sie neben kleinen Untertanen wohnten. Denn ihre Wohnungen kühlten so schnell aus als wären sie frei stehende Einfamilienhäuser. Und schon explodierten ihre Heizkostenrechnungen. Und außerdem mussten die mittleren Untertanen plötzlich viel mehr Geld für den Strom bezahlen, denn nun mussten sie alleine ihre Energie und die der subventionierten großen Gönner bezahlen. Von den subventionierten Gönnern hatte es auch immer mehr gegeben, so dass der Preis für den Strom für die kleineren mittleren Untertanen schon fast nicht mehr bezahlbar war. Doch statt dass diese jetzt den gleichen Weg gingen wie die kleinen Untertanen, besannen sie sich eines besseren. Sie zeigten auf die kleinen Untertanen und sagten dazu, dass es ungerecht sei, dass diese so abgehängt worden seien. Sie forderten Alti auf, dafür zu sorgen, dass auch die kleinen Untertanen sich wieder Strom leisten können. Und sie zeigten auf ein paar große Stromgönner, die sich viele Jahre lang den Wanst voll gefressen hatten. Echte Gelddruckmaschinen waren ihre Kraftwerke gewesen. Vor allem die, die den Müll mit der unsichtbaren Strahlung hinterließen. Denn diese Kraftwerke der Gönner wurden all die Jahre mit ganz viel Geld der Königin unterstützt. Nur dass dieses Geld versteckt geflossen war. Vor allem mussten diese Gönner nicht einmal für die Entsorgung des strahlenden Mülls bezahlen. Das hatten die mittleren Untertanen mit ihren Steuern übernehmen müssen.

Nach und nach wurde den mittleren Untertanen immer deutlicher, dass sie sich nun wehren mussten, sonst würden sie nämlich schrumpfen und zu kleinen Untertanen werden, wenn alles so weiter ging! Und so fassten sie sich ein Herz, gingen zu Alti und ihrer Königin und forderten von ihnen, dass es Transparenz und Gerechtigkeit für alle geben müsse, sonst würden sie der Königin und Alti ihre Unterstützung versagen. Und während sie so vor der Königin und Alti standen, wurde den mittleren Untertanen bewusst, dass die Damen und Herren und die großen Gönner in Wirklichkeit gar keine großen Gönner oder Damen und Herren waren, sondern dass sie die ganze Zeit dafür gesorgt hatten, dass die kleinen und mittleren Untertanen die größte Last im Staat getragen hatten. Und alles nur, damit die Damen und Herren sowie die großen Gönner in immer größeren Saus uns Braus hatten leben können.

Und jetzt, wo ihnen die Augen geöffnet waren, verbündeten sich die mittleren Untertanen mit den kleinen. Beide Gruppen lernten voneinander. Die einen gaben ihren Strom, die anderen zeigten, wie man mit weniger Strom auskommen konnte.

Fortsetzung folgt.

4 Kommentare zu „Von Alti, der auszog, anderen das Stromsparen beizubringen

  1. Einfach nur perfekt geschrieben…ich hoffe, „Alti „kommt aus seiner „Märchenwelt“ und liest das.
    Aber das ist wohl auch nur ein Traum aus dem Reich der Sagen und Märchen… 😉
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
    Ute

  2. Schönes Märchen. Nur wollen wir alle nicht hoffen, dass der Alti wirklich solange -wie im Märchen beschrieben- rumwursteln darf, sondern dass er und die Königin alsbald von den kleinen und mittleren Untertanen aus dem Schloss verjagt werden.

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