Vor einem knappen Jahr hat mich meine Tochter mit einer Idee überfallen: dass wir auf vegane Ernährung umstellen. Ich habe den allergrößten Teil meines Lebens vegetarisch gelebt. Kein Fleisch zu essen war für mich selten ein Verzicht. Dafür esse ich umso lieber Gemüse und Obst. Ja, genau in der Reihenfolge. Es gibt Obst, dass ich sehr gerne esse, aber lieber noch Gemüse.

Aber, und das war der Kasus Knaktus in meiner Überlegung, ich lieb(t)e Käse, Joghurt und ab und an ein Frühstücksei. Und das nicht mehr essen zu können, konnte ich mir gar nicht vorstellen. Die mit Käse überbackene Pizza, Aufläufe, Blauschimmelkäse auf’s Brot, ein Stück Käse zum Naschen, Nudeln mit Käse, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen.

Ich war also nicht sofort Feuer und Flamme. Außerdem: ich hatte sowieso schon Eisenmangel und hatte Angst, dann auch noch zu wenig Kalzium zu mir zu nehmen. Ich wollte nicht frühzeitig an Osteoporose erkranken oder sonst eine Mangelerkrankung bekommen. Und auch meinen heiß gelieben Latte Macchiato zum Frühstück wollte ich nicht missen.

Gleichwohl, ich begann mich zu informieren. Im Internet und in Büchern und schließlich war ich Feuer und Flamme. Wir machten bei der Challenge Vegan for fit mit. Das heißt, wir lebten 30 Tage lang mehr oder minder streng nach dem Buch. Tierische Zutaten oder Bestandteile gab es keine in unserem Essen. Wohl aber wandelten wir Rezepte ab, damit sie uns auch schmeckten oder bekamen. Und am Ende der Challenge waren wir erstaunt, wie leicht uns der Umstieg gefallen war. Kaffee hatten wir uns einmal die Woche gegönnt. Ansonsten Wasser und grünen Tee getrunken. Brot fast gar nicht gegessen.

Dennoch hat mir das Brot kaum gefehlt. Vorher habe ich mir ein Leben ohne Brot gar nicht vorstellen können. Heute kein Problem: gekochte Hirse, Müsli oder Sojaghurt zum Frühstück, mittags Gemüse, Bulgursalat, Linsensalat oder was auch immer, abends vor allem Blattsalate oder die Reste vom Mittag. Ich mache Falafeln selbst, bereite Tofu in den verschiedensten Variationen vor, esse gekochten Brokkoli mit gerösteten Saaten in Zitronensaft und etwas Öl als vollständige Mahlzeit, genieße ab und an mal ein veganes Eis, trinke kaum noch Kaffee und fühle mich rundherum sehr wohl.

Bemerkenswert finde ich, dass ich meine Rückenschmerzen nur noch selten habe und ich mich insgesamt beweglicher und energievoller fühle. Ich bin insgesamt auch gelassener geworden. Davon könnte Lilly, meine Podenco-Hündin ein Lied singen, würde sie mich vorher gekannt haben. Was auch immer in ihr vorgeht: im Moment stellt sie zwischendurch jede Menge Unsinn an: Sie nagt am Kickertisch, knabbert den Teppich an, räumt den Papierkorb aus, zieht sich die Post vom Tisch, findet Kabel zum zerbeißen, klaut sich ihre Leine und zerbeißt sie und, und, und. Nicht, dass ich das alles ignorierte, jedoch haut es mich nicht um. Es macht mich manchmal traurig, ich sehe aber vor allem das Problem, das sie hat. Vor einem halben Jahr noch frei lebend, jetzt gefangen bei mir. Sie mag die Kälte draußen nicht und kann auch den Regen nicht leiden. Aber sie spielt gerne mit mir. Sie liebt es zu springen und zu rennen. Und außerdem frisst sie alles, was ihr zwischen die Zähne kommt. Jedenfalls bin ich noch keinen Tag verzweifelt am Rande eines Nervenzusammenbruchs gewesen, auch wenn ich über manche Eskapade sicher nicht glücklich war.

Ich stelle also fest: meinem Rücken geht es besser, meinem Energiehaushalt ebenfalls und wohl auch ganz besonders meinen Nerven. Ich bin über das Jahr gesehen gesünder als vorher. Selbst die große Hitze diesen Sommer hat mir mit meinem Herzfehler dieses Jahr weniger zugesetzt als in der Vergangenheit. Die vegane Ernährung war mit anderen Worten wohl die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

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