Ich bin bekennend tierlieb. Ich habe schon viele Haustiere gehabt. Darunter Fische, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Frettchen, vor allem aber Hunde. Derzeit leben zwei Hunde in meinem Haushalt. Eine Mischlingshündin, die sich bei ihrer Vorbesitzerin nicht so wohl gefühlt hat, weil diese zu viel gearbeitet hat und eine Podenco-Hündin, ein ehemaliger Straßenhund aus Spanien. Ich mag Tiere – bis auf nervtötende Ausnahmen wie Fliegen, Mücken etc. – sehr gerne. Außerdem esse ich vegan. Allerdings vorwiegend aus gesundheitlichen Gründen. Ich bin aber auch froh, dass ich damit die Massentierhaltung nicht mehr unterstütze.

Tierliebe drückt sich bei uns in sehr unterschiedlicher Couleur aus. Die einen kaufen Ihrer Katze ein Sofa, welches im Preis locker mit einem Designer-Möbelstück mithalten kann, die nächsten ziehen ihrem Hündchen T-Shirt oder Blink-Blink-Halsband an. Auch in der Ernährung gibt es so mancherlei Auswüchse, die ich mit staundenden Augen beobachte. Natürlich will auch ich meinen Hunden nicht schaden. Daher steht immer frisches Wasser bereit und es gibt artgerechtes Hundefutter. Ab und an auch mal ein Leckerli als Belohnung. Die Hunde dürfen auch auf Teilbereiche meines Sofas, nicht aber in mein Bett. Wenn ich keine Zeit für die Tiere habe, gebe ich sie zu jemandem, der sich um sie kümmern kann. Und ich nehme die Tiere durchaus auch mit in meinen Urlaub. Schließlich gehören sie zu meinem Leben dazu.

Lilly, spanischer Straßenhund, Podenco
Lilly braucht sehr viel Schlaf – nach ihrem Ausbruch mehr als je zuvor.

Dass mir Lilly in meinem Urlaub weggelaufen war, hat mich tief getroffen. Ich hatte sehr große Angst um sie und habe befürchtet, sie nie wieder zu sehen. Doch Glück hatten wir, Lilly und ich. Sie ist wieder da. Es ist ihr nichts Schlimmes passiert. Aber sie ist scheuer denn je und sehr abgemagert. Heute früh machte sie von sich aus wieder die ersten Annährungsversuche. Immerhin! Denn gestern bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mir deutlich machte, dass wir mehr als nur Glück gehabt haben: http://www.derwesten.de/staedte/neheim-huesten/hund-wird-von-polizei-auf-a46-erst-beschossen-und-dann-ueberfahren-id8163886.html. Ein Hund, ebenfalls ein Hund aus Spanien, war entlaufen. Der Hund befand sich in der Nähe einer Autobahn. Daher fühlte sich die Polizei dazu genötigt, etwas zu unternehmen. Sie schoss auf den Hund und überfuhr ihn anschließend. So jedenfalls ist es in der WAZ nachzulesen.

Ich will hier an dieser Stelle weder die Polizei verurteilen noch behaupten, sie hätte alles richtig gemacht. Ich war nicht dabei, kenne die Gefährdungssituation vor Ort nicht und weiß zudem nicht, ob die WAZ das Thema wirklich neutral und realitätsnah geschildert hat. Gleichwohl kommt mir die Reaktion der Polizei überzogen vor.

Doch es geht mir um andere Dinge: Um den Tierschutz und die Tierliebe, die vielleicht auch manchmal nur gut gemeint, aber schlecht gemacht sind. Seit vielen Jahren werden Tiere aus Süd-Europa nach Deutschland gebracht, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Hier sollen sie in gute Hände vermittelt werden. Und viele dieser Hunde haben ein tolles Zuhause bekommen. Und doch wage ich es, diese Praktik zu hinterfragen. Ist es wirklich richtig, Tiere aus aller Herren Länder nach Deutschland zu bringen, damit sie nicht verwahrlosen oder gar getötet werden? Wenn ich das Einzelschicksal ansehe, dann kann ich die Frage nur bejahen. Gucke ich aber auf den Tierschutz insgesamt, wird daraus eine politische Frage. Denn im Grunde ist es ähnlich wie bei Kindern in der dritten Welt. Ich kann vielleicht einem einzelnen, elternlosen Kind helfen, indem ich es adoptiere. Doch Menschen in der Masse nach Deutschland zu holen, damit sie in Bangladesh oder wo auch immer nicht verhungern, ist keine Lösung.

Besser als die ganzen Tiere nach Deutschland zu holen ist es, die Länder dort in ihren Tierschutzbemühungen zu unterstützen. Die Menschen in Spanien, Griechenland, Ungarn und so weiter sollten in die Lage versetzt werden, ihre Probleme selbst zu lösen. Wenn wir all die Problemtiere nach Deutschland holen, tragen wir mitunter dazu bei, dass Tiere weiter ohne Rücksicht gezüchtet oder dass Tiere auf die Straße gesetzt werden. Denn wir kümmern uns ja anschließend darum. Wir kaufen die niedlichen Welpen, holen Straßenhunde nach Deutschland und schon sind wir Teil des Systems.

Was die Straßenhunde angeht, so kann ich aus eigener Erfahrung mit Lilly eben sagen, dass der Hund ganz sicher noch lange Zeit benötigen wird, sich zu aklimatisieren. Auch er leidet unter einer Art Kulturschock. Das Klima ist anders. Die Menschen sind anders. Der Verkehr ist anders. Ich habe diesen Hund als Einzelschicksal genommen, lebe nun aber auch mit den Konsequenzen. Ich weiß, dass ich ihm noch sehr lange nicht vertrauen kann. Denn er ist nicht so sozialisiert, wie es ein deutscher Hund ist. Wahrscheinlich hätte ich mir auch unter normalen Umständen keinen zweiten Hund angeschafft. Dennoch ist es wohl so, dass manch deutscher Hund wegen dieser Tierliebe zu Straßenhunden viel länger im Tierheim sitzt, als es notwendig wäre. Die Tierheime sind voll mit tollen Hunden. Manch Insasse lebt leider schon Jahre dort. Ich glaube, wir sollten lieber helfen, in anderen Ländern einen Tierschutz aufzubauen, als die Tiere hierher zu holen. Und das sage ich als Besitzerin eines Podencos, der bis vor kurzem noch in Spanien lebte.

Ein Kommentar zu „Tierliebe und Tierschutz

  1. Ich glaube, zur Zeit ist beides nötig, dort die Menschen zum umdenken bewegen und vorerst Tiere vor dem Tod bewahren, in dem man sie herholt. In der Wirtschaftskrise wird es allerdings noch dauern, ehe sich was bewegt. Wenn es den Menschen schlecht geht, geht es den Tieren noch schlechter. Und wenn Lilly Vertrauen gewonnen hat, wirst du einen ganz tollen Hund bekommen. Da bin ich sicher.
    LG
    Ute

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