dass ich mich wieder zu Wort melde.

Mich beschäftigen derzeit eine Menge Dinge. Vor allem die gefühlt deutlich angestiegene Fremdenfeindlichkeit bei uns, lässt mich nicht ruhen. Zumindest auf Facebook mache ich auch immer mal wieder meiner Wut Luft. Doch das alleine reicht nicht. Wir müssen Vorurteilen entgegen wirken und unserem deutschen Mitmenschen Aspekte zeigen, über die sie selbst einmal nachdenken sollten.

Ein solcher Punkt sind die ständigen Behauptungen, den Flüchtlingen hier würde es viel zu gut gehen. Alle hätten aktuellste Handys, würden mehr Geld als Hartz4-Empfänger bekommen und nutzten sogar Taxis um von A nach B zu kommen. Die Erwartungshaltung dahinter ist ganz sicher eine: ein Flüchtling hat ganz einfach vollumfänglich bedürftig zu sein. Er soll daher nicht besser leben als ein Hartz4-Empfänger und dankbar sein für alles, was er von uns erhält.

Zweifelsohne sind die meisten Flüchtlinge sehr dankbar, dass sie bei uns aufgenommen werden. In unserem Land gibt es keinen Krieg, niemand wird aufgrund seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner Meinung oder ethnischen Herkunft verfolgt oder gar mit dem Leben bedroht. Wir können jeden Tag einfach so vor die Tür gehen, ohne dass wir befürchten müssen, den Tag nicht zu überleben. Wir müssen auch nicht hungern.

Zurück zu unseren Erwartungen an einen Flüchtling: Wir erwarten also, dass ein Flüchtling nur mit dem, was er anhat hierher kommt. Dass er schlicht sehr arm ist. Gleichzeitig aber lehnt der Deutsche so genannte Wirtschaftsflüchtlinge ab. Diese sollen gefälligst in ihren Ländern bleiben und dort zusehen, wie sie über die Runden kommen. Wir in Deutschland wollen nur politisch-, religiös bzw. ethnisch Verfolgte oder Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Doch genau diese Flüchtlinge, die hier Asyl beantragen, müssen nicht arm sein. Dass das Leben eines Menschen bedroht wird, hat per se erst einmal nichts mit seinem Einkommen oder Besitz zu tun. Bei Kriegsflüchtlingen ist das ebenso wenig der Fall. Nur weil in Syrien kein Stein mehr auf dem anderen steht, müssen gut ausgebildete Menschen, die vorher gut verdient haben, doch nicht plötzlich verarmt sein.

Auch deswegen ist es doch völlig in Ordnung, wenn ein Flüchtling mit dem Taxi durch Deutschland fährt. Wenn er versucht, sich sein Umfeld so zu schaffen, dass er sich wohlfühlt, müssen wir doch nicht die Nase darüber rümpfen.

Statt dessen sollten wir endlich mal aufhören, die Neid-Debatte der Zukurzgekommenen ausufern zu lassen und anzuheizen. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass es jedem Menschen in Deutschland rosig geht. Doch mitunter müssen die Menschen endlich mal aus ihrem Schneckenhaus heraus kommen und ihr Schicksal endlich in die Hand nehmen. Und vor allem müssen wir wieder lernen zufrieden zu sein mit dem, was wir besitzen. Wir sollten endlich wieder wertschätzen, dass wir in einem sicheren Land leben, fast alle ein warmes Dach über dem Kopf haben, dass wir Reisefreiheit genießen, die Freiheit, unseren Beruf zu wählen, kostenlos Schulen besuchen dürfen und so vieles mehr!

Obwohl ich mit Sicherheit nicht zu den Besser-Verdienenden gehöre, habe ich doch ein schönes Leben. Mein Lebensgefährte und ich können in einer schönen Wohnung leben, haben immer gut zu essen, weil ich sehr gerne koche, genügend Sachen zum Anziehen, verfügen über viel mehr Dinge als wir benötigten. Wir genießen unser Leben, obwohl wir kein eigenes Haus besitzen, keinen Neuwagen fahren und uns auch keine Fernreisen leisten können. Wir wissen aber: Wir haben es gut! Und genau darüber freuen wir uns jeden Tag!

2 Kommentare zu „Es ist lange schon Zeit

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