Neben dem Deklarations- oder Täuschungsskandal von Hackfleisch hat die ARD-Reportage über die Zustände bei Leiharbeitern von Amazon in dieser Woche viele Gemüter erhitzt. Und das auch berechtigterweise! Doch alleine die Aufklärung zu fordern, vielleicht verbunden mit dem Versprechen der Besserung, oder Gentests beim Fleisch, wird keine dauerhafte Änderung mit sich bringen.

Zum einen werden die Verbraucher die Umstände schnell wieder vergessen oder sogar aktiv verdrängen. Wir werden mit so vielen Informationen und angeblichen Wichtigkeiten zugedröhnt, dass es mitunter wirklich schwer fällt, den Dingen dauerhaft Beachtung zu schenken. In diesem Zusammenhang seien Würmer in den Fischen, die Vogelgrippe, BSE, Schweinepest, Überwachungsskandale bei Lidl, Aldi und Co genannt. Kurzfristig gab es Aufschreie, und genauso kurzfristig hat sich das Verbraucherverhalten geändert. Woran das liegt? Wir Menschen sind vor allem auch Gewohnheitstiere. Vieles von dem, was wir tun, haben wir sozusagen automatisiert. Wir denken gar nicht darüber nach, ob wir beim Autofahren schalten oder blinken, wir denken genauso wenig darüber nach, welches Produkt wir in den Einkaufswagen legen, wenn uns dieses Produkt schon lange Zeit begleitet.

Zudem werden wir von der Werbung und anderen Einflüssen nachhaltig eingelullt. Wir meinen, Dinge zu benötigen, die wir die ersten zwei Wochen sogar richtig toll finden. Doch spätestens nach einem halben Jahr liegen viele Dinge ungenutzt bei uns herum. Der neue Hometrainer? Steht im Keller oder kaum benutzt im Gästezimmer. Die alleskönnende Küchenmaschine? Steht unten im Schrank, fast haben wir vergessen, dass wir sie mal gekauft haben. Warum das so ist? Weil viele Dinge und Handlungen es eben wiederum nicht schaffen, zu einer Gewohnheit zu werden. Gleichzeitig schaffen wir es aber auch nicht, die Dinge alle in unserem Bewusstsein zu halten. Eine Überlastung wäre die Folge. Und das in einer Zeit, in der sehr viele Menschen über Burnout klagen.

Was also können wir tun, um wirklich Veränderungen hinzubekommen? – Diese Frage stellen sich sicher auch viele Menschen, die sich zu Neujahr so gute Vorsätze ausdenken. – Das ist ein zunächst eher anstrengender Weg. Wir müssen Veränderungen zunächst bewusst und willentlich vornehmen. Und dann müssen wir dafür sorgen, dass wir auch die ersten Widerstände unseres sich gegen diese Veränderungen wehrenden Körpers überstehen. Das kann beispielsweise ein ständiges Hinterfragen einer schlechten Angewohnheit sein. Oder eben, dass wir bewusst frische Lebensmittel einkaufen und die Fertigprodukte außen vorlassen. Natürlich ist diese Gewohnheitsveränderung erst mal anstrengend. Doch nach ein paar Wochen greifen wir automatisch zu frischen Tomaten und Kräutern statt zur Fertigsauce aus der Tüte.

Auch beim Einkaufen von Kleidung können wir eine Phase des Hinterfragens einläuten. Und auch das Belohnungssystem der Shoppingtour ein wenig austricksen. Jedenfalls hat das bei mir sehr gut funktioniert. Ich habe die Dinge, die ich kaufe, wertzuschätzen gelernt. Mein Fahrrad (ein sehr gutes Markenrad, gebraucht gekauft) fährt sich einfach unglaublich gut. Und es gefällt mir auch immer noch sehr gut – seit mehr als 10 Jahren. Warum sollte ich also ein neues Rad kaufen? Das funktioniert auch bei Kleidung sehr gut. Und auch bei vielerlei elektronischem Gerät.

Ein Sprichwort besagt doch schließlich auch: „Wer billig kauft, kauft teuer.“ Weil er meistens doppelt und dreifach kauft. Wobei sich billig eben nicht auf den Preis bezieht sondern auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann auch  viel Geld für schlechte Qualität ausgeben – vor allem für Dinge, die ich nur gerade in diesem Augenblick so schön, lustig oder interessant finde. Hingegen kann ich auch wenig Geld für gute Qualität ausgeben.

Wenn wir diesen Schritt geschafft haben, leben wir fortan sehr viel entspannter. Denn viele Dinge um uns herum können wir getrost ignorieren. So geht es mir beim Einkaufen von Lebensmitteln. Ich koche frisch und verzichte auf Fleisch. Fertiggerichte haben keinen Platz mehr in meinem Kühl- oder Gefrierschrank. So gucke ich mich beim Obst und Gemüse um, gehe weiter zu Nudeln oder Reis und muss mich hier nur noch auf die Qualität konzentrieren.

Wenn wir auch auf die vielen Online-Einkäufe verzichten lernen, sparen wir mit Sicherheit sogar viel Geld. Wie oft haben Menschen schon Dinge aus einem ersten Impuls heraus gekauft, die sie am Ende gar nicht benötigten? Wie oft vergisst man, die Dinge in der Rückgabezeit zurückzuschicken? Wenn ich vor Ort im Einzelhandel kaufe, kann ich mich sofort von der Qualität überzeugen, der Umtausch und der Service ist meist überhaupt kein Problem. Ich stärke auf diese Weise nicht nur den Einzelhandel in der Region – und somit Arbeitsplätze – sondern sorge auch dafür, dass die Kommune Steuereinnahmen erhält. Je mehr Nachfrage vor Ort, desto mehr wird sich der Einzelhandel darauf einstellen können. Nebenbei bemerkt sorge ich mit diesem Verhalten auch für weniger Verkehr, jedenfalls wenn ich nicht immer alles mit dem eigenen Auto erledige sondern zu Fuß gehe, mit den Öffis oder dem Rad fahre.

2 Kommentare zu „(M) ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit

  1. Das kann ich so unterschreiben… bei den Online-Einkäufen allerdings mit Ausnahmen…ein Handy-Akku für ein relativ neues Handy, war hier nicht zu bekommen…von „haben wir nicht“, bis „die gibt es gar nicht mehr“, war alles zu hören. Da war man online viel besser…gute Information, schnelle Lieferung und noch ein besserer als der Original-Akku.
    Schönes Wochenende
    Ute

    1. Danke liebe Ute,
      ich weiß, dass es nicht bei allen Dingen möglich ist. Meist aber leider auch deswegen, weil wir a) wenig Geduld haben, b) längst alles bestellen 😉
      Es muss ja auch niemand päpstlicher als der Papst werden. Wer aber ein wenig nachhaltiger denkt, einkauft und lebt, wird sicher weniger Stress haben und es geht ihm dennoch gut.

      Auch Dir ein schönes Wochenende!
      Katharina

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