ich nämlich nicht – und wie ich weiß, stehe ich nicht alleine da – bangt um Schumi. Und nein, es findet auch nicht jeder das Medienspektakel, die unbewiesenen Gerüchte um den Unfallhergang und die Unfallfolgen, so wichtig, dass sie an exponierte Stelle in Nachrichtenmagazinen gehören.

Ich habe mich nie sonderlich für Motorsport (für Fußball gilt das ebenfalls) interessiert. Doch natürlich ist auch an mir nicht vorbeigegangen, dass Michael Schumacher mehrfacher Weltmeister in der Formel 1 gewesen ist. Ebenfalls aber ist an mir nicht vorbeigegangen, dass dieser Herr es vorgezogen hat, seine Einnahmen nicht in Deutschland zu versteuern. Er ist lieber in die Schweiz, ein Land, welches dafür bekannt ist, den Reichen ihr Geld auf andere Weise aus der Tasche zu ziehen als über Steuern und Sozialabgaben.

Meinetwegen mag er ein herausragender Rennfahrer gewesen sein, wie ich verschiedentlich gehört habe, ein Ausnahmesportler, ich will das nicht in Abrede stellen. Vielleicht ist er auch ein sehr netter Mensch, ein guter Vater, Ehemann, Sohn, Bruder, Freund, Kumpel. Allein, ich weiß es nicht, denn ich kenne den Herren nicht. Ich habe jedoch mitbekommen, dass Michael Schumacher sich vor geraumer Zeit aus dem Rennsport zurückgezogen hat und auch ein Comeback-Versuch gescheitert ist. Das bedeutet für mich in erster Linie, dass er Rennfahrer außer Dienst ist und somit nach meinem Promi-ABC an hintere Stelle gezogen ist.

Und genau deswegen drücke ich zwar gerne Mitgefühl für die Familie Schumacher und den Herren selbst aus. Und das meine ich auch ehrlich. Doch das gleiche Mitgefühl habe ich für andere Menschen, die sich selbst gerade in einer schwierigen Situation befinden, eine Verletzung erlitten haben, schwer erkrankt sind, durch ein Unglück Hab und Gut oder einen Angehörigen verloren haben. Sie alle verdienen nicht nur mein Mitgefühl sondern das aller anderen Mitmenschen. Und auch sie bedürfen einer Hand, die sie hält, eines tröstenden Wortes, wahrscheindlich sogar sehr viel dringlicher als Michael Schumacher und dessen Familie, denn auch wenn die Verletzungen sicher schwer und vielleicht auch lebensgefährlich sind, so verfügt die Familie Schumacher über ausreichend Geld, um das Leid auf nur jede erdenkliche Weise lindern zu können. Die Familie steht nicht mittellos da. Für Herrn Schumacher wird in der Klinik bestens gesorgt. Ihm wird keine Therapie vorenthalten, weil seine Krankenversicherung sie nicht zahlt.

Bitte nicht falsch verstehen: ich nehme auch einen gewissen Anteil und ich kann mir vorstellen, dass es der Familie gerade nicht gut geht. Aber auch gerade deswegen wünschte ich mir von den Medien zur Zeit nur eines: Stillschweigen! Die Nachricht, dass er verunfallt war, okay, eine Nachricht, wie schwer die Verletzungen wiegen, gerne noch. Aber ab dann Ruhe geben, vor allem auch für die Familie.

Nur den Gefallen wird uns nicht nur die Regenbogenpresse nicht tun, wie ich befürchte. Das neue Jahr fängt somit journalistisch und menschlich bereits äußerst fragwürdig an.

2 Kommentare zu „Falsch, nicht ganz Deutschland…

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