Ja, ich finde Kinderpornographie grauenhaft! Und ja, ich bin beruhigt, dass das in unserem Land verboten ist.

Noch einmal ja: ein Bundesminister muss sich an Gesetze halten. Er darf nicht – auch nicht in bester Absicht – Informationen weitergeben, die eine Strafvereitelung nach sich ziehen könnte. Nicht einmal dann, wenn er versucht, einen möglichen größeren Schaden einer sehr schwierigen Regierungsbildung damit zu begrenzen.

Und doch bin ich wieder einmal mindestens erstaunt, was derzeit in den Medien – seien es gedruckte Werke, Online-Medien, Radiosender und wahrscheinlich auch Fernsehsender – los ist. Eine Hetzjagd nach der anderen. Der bis hierhin geneigte Leser hat so langsam die Faxen dicke, denke ich. Mir jedenfalls geht es so. Eine Hetzjagd nach der anderen. Ob es das persönliche Leid eines „Promis“ ist oder eine vermeintliche Untat eines anderen „Promis“. Es wird drauf losgehackt als sei es ein sportlicher Wettkampf.

Doch was hat dieses zur Folge? Sicher nicht, dass der Bürger besser informiert ist. Eher, dass er sich von den wirklichen News, der Hintergrundberichterstattung und dergleichen mehr auch noch abwendet. Wer jeden Morgen und jeden Abend von den gleichen Schlagzeilen nahezu angebrüllt wird, mag irgendwann nicht mehr hinhören, mag nicht mehr hinter die Kulissen schauen. Und wurde dann erreicht? Richtig: Bürger mit ein ganz wenig Halbwahrheiten oder weniger. Die echte Geschichte dahinter verschwindet nahezu im Nirwana. Kaum jemand bringt das Interesse und noch weniger Menschen bringen die Geduld auf, sich objektiv zu informieren, wenn einem die „News“ nur so um die Ohren geschlagen werden.

Was den akutellen Fall um Sebastian Edathy anbetrifft, so ist die Vorverurteilung längst im Gange. Ich habe vor Jahrzehnten als Kind in Rehburg-Loccum gewohnt. Ein beschaulicher Ort mit einem evangelischen Kloster, damals wohl eher etwas verschlafen, doch ein nettes Fleckchen Erde. Dort kennt so ziemlich jeder jeden. Ähnlich wie es in vielen Vororten der größeren Städte ist. Und das bedeutet für Herrn Edathy, dass er sich zurzeit wohl nicht daheim blicken lassen kann. Nach diesen Schlagzeilen muss er sich wohl in ganz Deutschland verstecken. Und das alles, bevor ein Gerichtsverfahren seine Schuld festgestellt hat. Somit ist die so genannte Unschuldsvermutung bei uns längst vom Tisch. Dank der Mediengewalt wird ein prominenter Verdächtiger längst bestraft, bevor er sich verteidigen kann.

Leider hat das alles auch so überhaupt gar nichts mit investigativem Journalismus zu tun. Investigativ ist anders, in seinem Ursprung bedeutet das Wort so viel wie aufspüren, genau untersuchen. Doch genau das unterlassen die meisten Medien derzeit. Genau untersuchen würde nämlich auch bedeuten, auch die Informationen zu ermitteln, die für den „Verdächtigen“ sprechen. Macht das zurzeit irgendjemand? Und wenn ja wie laut?

Auch die Geschichte rund um den ADAC finde ich derzeit abstoßend. Wenn all die Verfehlungen schon zum Teil Jahrzehnte alt sind, warum hat denn vorher niemand etwas darüber berichtet? Die Verflechtungen des Konzern-Vereins sind doch schon länger so. Warum hat da niemand hinter die Kulissen blicken wollen? Wenn Autobatterien zu teuer verkauft wurden, ist das erst heute schlimm?

 

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