Liebe Freunde, Bekannte, Verwandte und Menschen, die mich kennen,

ich habe mich bislang nicht aus dem Fenster gelehnt mit meiner Meinung. Aber heute habe ich etwas bei Facebook gelesen, was mich entsetzt hat! Jemand aus meinem Familienkreis hat die Seiten von Pegida und Bragida mit „gefällt mir“ markiert. Ich bin schockiert. Noch fehlen mir die Worte, und ich weiß nicht, wie ich diesem Menschen in den Weihnachtstagen begegnen werde.

Aber ich merke, dass es Zeit geworden ist, dass ich mich deutlich für jeden sichtbar positioniere! Ich bin ein sehr friedliebender Mensch, empfinde Gleichberechtigung und Freiheit als unabdingbare Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Gewalt und Unterdrückung, egal von wem sie kommen, lehne ich ab! Ich empfinde es als großes Glück, dass ich in ein Land wie Deutschland hineingeboren wurde, denn hier konnte ich mich halbwegs entwickeln, obwohl es auch hier in Deutschland noch nicht völlig rosig ist. Aber hier darf ich meine Meinung äußern ohne dafür bestraft werden zu können.

Wie viele andere Menschen habe ich auch Erfahrungen mit Menschen anderer Nationalität gemacht – in deren Ländern oder hier. Manchmal habe ich Schwierigkeiten mit Menschen anderer Nationalität gehabt, weil ich sie nicht verstanden habe. Ihre Worte nicht, weil ich ihrer Sprache nicht mächtig war oder den Inhalt deren Aussagen nicht, weil mir der kulturelle Hintergrund fehlte. Ich habe dennoch sehr viele freundliche und fröhliche Begegnungen mit Menschen anderer als meiner Herkunft gemacht – und mit Sicherheit nicht weniger gute als mit deutschen Zeitgenossen. Ich bin von einem deutschen Mann sexuell missbraucht worden, von einem deutschen Mann betrogen, von einer deutschen Freundin schlecht gemacht, von deutschen Männern, sogar von höheren Angestellten eines Weltkonzerns, sehr übel angemacht worden…

In dem Haus, in dem ich wohne, leben Menschen verschiedenster Herkunft und verschiedenster Glaubensrichtungen. Es sind sehr freundliche liebe Menschen darunter aber auch Menschen, die man nur kurz grüßt.

Ich laufe meist mit sehr offenen Augen durch das Leben. In Braunschweig gibt es eine knappe Handvoll Frauen, die in einer Burka völlig verschleiert herum laufen. Dieses Bild beklemmt mich immer sehr. Ich kann eben nicht sehen, wer sich dahinter verbirgt, kann mir nur ausmalen, dass die Frauen unterdrückt werden oder sich aus eigener Furcht lieber verschleiern. Dennoch mag ich diesen Anblick nicht. Ähnlich geht es mir aber, wenn ich einen Motorradfahrer sehe, der mit seinem verdunkelten Helm und in schwarzer Kluft vor mir steht. Ich kann nicht sehen, ob er mir vielleicht freundlich gesinnt ist oder er böses im Schilde führt.

Wir leben in einem Land, in welchem Religionsfreiheit herrscht. Ich nehme mir die Freiheit heraus, keiner Glaubensrichtung anzugehören. Statt dessen sehe ich mich als Humanistin. Mir sind Teile mancher Glaubensrichtungen sehr sympathisch, andere sehr unsympathisch. Ich bin in einem christlich-geprägten Land aufgewachsen, habe Religionsunterricht gehabt, bin konfirmiert worden, habe sogar einmal Theologie studieren wollen. Ich war als junges Mädchen mit Missbrauchserfahrung und mit einer Mutter, die immer mal wieder ihrem Leben ein Ende setzen wollte und mich dann als seelischen Mülleimer benutzt hat, auf der Suche nach Geborgenheit, nach Antworten, nach einem sicheren Platz in diesem Leben.

Ich habe allerdings erkannt, dass der Glauben es für mich nicht war. Auch kein Trost. Diese Höhlen voller Geborgenheit musste ich mir selber schaffen.

Als Kind der frühen 1960-er Jahre habe ich den kalten Krieg (mit dem bösen Osten) gespürt, bin mit Vorbehalten gegen den Ostblock groß geworden. Heute ist Deutschland wiedervereinigt und diverse Länder des früheren Ostblocks sind EU-Mitglieder, also Freunde. Genauso habe ich die Vorbehalte damals gegen die Gastarbeiter mitbekommen. Italiener waren Messerstecher, Türken Kümmeltürken. Und heute? Ich hatte einen Klassenkameraden, türkischer Nationalität, der Arzt geworden ist, eine Italienerin als tolle Freundin, habe eine wirklich liebenswerte Nachbarin aus Polen…

Und verdammt noch mal: ich habe etwas gegen Rassisten jedweder Herkunft! Liebe Menschen guckt Euch doch einmal um: Ihr fahrt in ferne Länder in den Urlaub, geht in Restaurants, die sich Speisen verschiedener Länder auf die Karte schreiben, kauft Lebens- und Genussmittel aus fernen Ländern – und genießt diese Freiheit. Dabei betretet ihr Länder, deren Bevölkerung zu einer Mehrheit muslimischen Glaubens ist, esst und trinkt Dinge, die Menschen muslimischen Glaubens geerntet oder hergestellt haben. Nur dann, wenn in Dresden 2 Prozent der Bürger muslimischer Herkunft sind, dann bekommt Ihr ein Überfremdungsproblem? Wenn 15.000 Menschen mitmarschieren, die sich den Medien verweigern, dann wird das plötzlich zur Massenbewegung, die man ernst nehmen muss? Hallo? Als 100.000 und mehr Bürger gegen Atomkraft, gegen Pershings, gegen den kalten Krieg auf die Straße gegangen sind, wollte Helmut Kohl auf den Pöbel des Volkes nicht hören und hat diese Massenbewegung ignoriert.

Die Medien neigen in den vergangenen Jahren ohnehin dazu, alles zu hypen – und im Moment auch Pegida und Konsorten. Politiker wollen diese Bewegung ernst nehmen. Entweder weil sie selbst rassistisch sind oder eben, weil sie populistisch sind. Für diese Politiker schäme ich mich! Genauso für die Medienvertreter und -konzerne, die Pegida groß machen (die haben auch schon die AfD groß gemacht).

Liebe Mitmenschen: Viele von Euch feiern in den nächsten Tagen Weihnachten. Ein Fest der Nächstenliebe! Wenn Ihr an Jesus glaubt, dann denkt mal darüber nach, was er Euch mit eigenem Beispiel lehren wollte!

Ein Kommentar zu „Pegida und sonstiger Rassismus

  1. Ich weiß, wie Ihnen zumute gewesen ist, als Sie entdecken mussten, dass jemand aus Ihrem Familienkreis mit Pegida & Co. sympathisiert. Ich fühle mit Ihnen. An Weihnachten vor fünf Jahren entdeckte ich zu meinem großen Entsetzen, dass mein Bruder nicht nur ein glühender Anhänger von Verschwörungstheorien ist, sondern auch ein Nazi… Nachdem er mich mehrmals per Mail und im Gespräch von seinen kruden Thesen überzeugen wollte, und ich ihm offen kontra gab, haben wir so gut wie jeden Kontakt zueinander abgebrochen…

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