Warum benötigen wir Menschen alles immer in super, hyper – also in Superlativen? Wonach suchen wir, wenn wir diese Begriffe nutzen?

Ein leckeres Essen reicht lange schon nicht mehr, wenn es nicht zumindest angereichert ist mit Superfoods. Was ist schon ein deftiger Eintopf im Herbst oder Winter? Hausbacken und ja, vielleicht auch lecker. Bereite ich mein Essen hingegen mit Superfoods zu, dann bin ich hip, das Essen strotzt nur so vor positiver Energie und ich werde, wenn ich das Esse nicht nur schlank sondern auch noch fit, gesund und sichere mir ein langes Leben mit absolut jugendlichem Aussehen?

Die Heilkraft bestimmter Lebensmittel wird in den Medien rauf und runter gebetet. Mal ist es der Tausendsassa Brokkoli, ein anderes Mal das Wunder „Chiasamen“ oder gar der Fatburner Ananas. Und dann lesen wir: „Wissenschaftler haben festgestellt“. Dazu fällt mir nur ein Lied meiner Kindertage ein: „Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Fett enthält, Fett enthält…“

Warum benötigen Menschen mit Vitaminen angereicherte Süßigkeiten, wenn ich die Vitamine preiswerter, vollständiger und mit sekundären Pflanzenstoffen zusammen in Form eines saftigen Apfels, einer süßen Banane oder süß-sauren Beeren – je nach Saison – zu mir nehmen kann?

Merken wir gar nicht mehr, wie wir von der Lebensmittelindustrie für dumm verkauft werden? Sind wir inzwischen gar so dumm, dass wir die Heilsversprechen glauben? Brauchen wir eine Lehrmeinung, um uns gesund zu ernähren? Benötigen wir Essenspläne? Benötigen wir Diäten, wenn wir eigentlich nur etwas faul und deswegen übergewichtig sind, um in 4 Wochen zur Bikini-Figur zu kommen? Ist „low-carb“ die richtige Antwort auf unsere Wohlstandsbäuche?

Ich lebe nun schon seit einigen Jahren vegan. Natürlich habe auch ich schon das eine oder andere Fertigprodukt an Käse- oder Fleisch-Ersatz probiert, natürlich bin ich auch manchmal viel zu faul, um zu kochen und möchte dennoch lecker essen. Nur: zu oft bereue ich es dann, weil diese Fertigprodukte mir weder schmecken noch besonders gut tun, weil sie mitunter sehr schwer im Magen liegen, ich danach dank Geschmacksverstärkern großen Durst verspüre und sie zudem meist völlig überteuert sind. Von den Inhaltsstoffen mal ganz zu schweigen. Denn auch vegane Fertig- oder Teilfertigprodukte sind vor allem meist besonders fettreich.

Es gibt zwar auch einige Produkte, die ganz lecker schmecken, doch auch sie sind zumindest von den Inhaltsstoffen eher zweifelhaft und ich muss schon etwas tiefer ins Portemonnaie greifen.

Im Grunde bin ich aber froh, dass ich vegan esse. Denn das erspart mir viele Dinge. Wenn ich in unsere immer größer werdenden Supermärkte gucke, finde ich immer weniger Grundnahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Nudeln oder Reis. Dafür nehmen Fertigmischungen, Tütchen, tiefgefrorene Menüs, gekühlte „Feinkost“, fertig-gemischte Müslis, Joghurts in hunderten Varianten (meist mit extrem viel Zucker), Biermischgetränken, Wurst- und Käsevariationen immer mehr Raum ein. Mit ganz viel Zucker und ebenso viel Fett. Und so sehen wir Deutsche auch mittlerweile aus.

Weil wir dann so aussehen, benötigen wir eine neue Heilslehre, um die Pfunde, nein Kilos (!) wieder schwinden zu lassen. Früher schwörten die Frauen auf die Körnerdiät, dann kam die Kohldiät, die Eier-Diät, die Spargeldiät… und heute ist es schlichtweg „low carb“. Dann sind Nudeln, Kartoffeln und Reis oder anderes Getreide plötzlich böse und wir alle benötigen auf einmal unglaublich viel Eiweiß, weil es sättigt und die Muskeln, nicht aber das Fett wachsen lässt. Die Kohlehydrate aus den Kartoffeln hingegen machen uns fett. Und wenn wir schon beim low-carb sind, dürfen wir gerne auch etwas mehr Fett essen, was ja eh nicht ausbleibt, weil selbst das viel gelobte Hühnerfleisch gut und gerne einen Fettanteil von über 50 Prozent haben kann.

Komisch nur, dass wir Menschen früher vor allem Kohlehydrate zum Sattessen hatten und dabei nicht so fett waren: Kartoffeln und Gemüse mit einer kleinen Fleischbeilage. Wir hatten noch nicht die Wahl zwischen Gemüse in Sahnesauce, mit Gorgonzala, mit feiner Butter etc. sondern wir kochten Mohrrüben, Erbsen, Bohnen, Kohl. Wir kauften unser Brot beim Bäcker – im Supermarkt gab es das ja auch noch nicht so frisch wie heute – und hatten die Wahl zwischen Vollkornbrot, Heidebrot, Landbrot oder Weißbrot. Nachdem wir jetzt ja low-carb essen (müssen), brauchen wir nun Brot mit Eiweiß, auf dass wir unsere Käse- oder Wurstscheiben legen. Und wundern uns, dass wir trotz low-carb auf Dauer immer dicker und vor allem auch unzufriedener werden.

Liebe Mitmenschen, ich finde eines: Essen soll zunächst erst mal sättigen und dann natürlich auch gut schmecken! Das erreichen wir vor allem dann, wenn wir gute Zutaten kaufen und unser Essen selbst zubereiten. Dann können wir die Würze bestimmen, den Zucker- und den Fettanteil. Vor allem aber auch wird sich unser Körper mit einem gesunden Appetit wieder melden, d. h. er sagt uns, was uns gerade fehlt. Wenn wir dann also Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel haben, wissen wir, genau das benötigen wir.

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