Leider lese ich sehr viel schlimme Dinge bei Facebook, Twitter und in so manch einer Zeitung oder einem Magazin. Ich höre im Radio Herrn Seehofer und Kollegen, die nach einer Flüchtlingsobergrenze schreien, als kennten sie das Grundgesetz und das Grundrecht auf Asyl nicht. Ich bin entsetzt, wenn ich mitbekomme, welche Staaten zu sicheren Herkunftsländern deklariert werden, trauere um Menschen, die bereits in den Fluten des Mittelmeers ums Leben gekommen sind und um die, die es in Zukunft wohl werden – wahrscheinlich wieder mit steigender Tendenz, da unser Staat das Recht auf Familiennachzug stärker begrenzen will und sich somit sicher wieder mehr Frauen und Kinder auf den Weg machen werden.

Und ich sehe, wie gut es mir mit alledem doch geht. Ich habe nicht nur ein Dach über dem Kopf, ich habe drei mittlerweile erwachsene und gesunde Kinder, ein Enkelkind, habe Arbeit, meine Kinder auch, fahre Auto, habe immer gutes Essen, sauberes Wasser, habe Strom, fließend warmes Wasser, Heizung…

Dann überlege ich, warum so viele Menschen so viel Unsinn über Flüchtlinge schreiben und finde schon das Wort Flüchtling langsam pervers, weil es doch verschleiert, dass es Menschen sind, über die wir da reden. Menschen, deren Häuser zerbombt wurden, die als Soldaten missbraucht werden sollen, deren Leben bedroht ist. Kinder, die nicht zur Schule gehen können, Frauen und Männer, deren Arbeitsplatz nicht mehr vorhanden ist, ja und auch Menschen, die vom Hunger bedroht sind oder sogar hungern müssen.

Kommen diese Menschen dann über tausende Kilometer zu Fuß gelaufen und haben dann noch ein Smartphone dabei, schreien hier viele, dass es diesen „Flüchtlingen“ ja gar nicht so schlecht gehe, hätten sie aber keine Smartphones, wären sie in deren Augen wiederum reine Wirtschaftsflüchtlinge. Hier wird geschrieen, dass fast nur gesunde, junge Männer kämen – und niemand fragt ernsthaft nach, warum wohl mehr junge Männer als schwangere, genauso vom Leben bedrohte Frauen hier ankommen? Wen würde wohl eine Familie hier in die Ungewissheit losschicken, wäre das Leben der Familie in Gefahr? Die Oma, die kaum noch laufen kann? Die hoch-schwangere Schwester, die auf einem monatedauernden Fußmarsch vielleicht noch vergewaltigt wird und ihr Kind irgendwo unterwegs gebähren würde? Oder eben doch den eher kräftigen, gesunden, jungen Mann, der die besten Chancen hat? Und der dann seine Familie ganz regulär hierher holen darf?

Liebe Mitmenschen, überlegt doch bitte erst einmal, bevor ihr auf die armen Menschen einschlagt, die nun wirklich nichts dafür können, dass ihnen bei sich Zuhause die Lebensgrundlage entzogen wurde. Und sorgt doch mit dafür, dass die Welt endlich ein wenig gerechter wird, so dass auch Menschen in armen Ländern ein lebenswertes Leben haben können. Die meisten Menschen jedenfalls verlassen ihre Heimat nicht, weil es in Deutschland so tolle Transfer-Leistungen gibt. Die würden lieber Daheim bleiben, in Ruhe dort leben können, wo ihre Freunde und Familien leben, wo ihre Herkunft ist.

Woher kommt bei uns nur immer diese Neid-Debatte? Warum werden so viele Lügen verbreitet? Da behauptet sogar ein relativ prominenter vegan-essender Mann mit deutlich-sichtbarem Migrationshintergrund, dass eine deutsche Familie aus ihrer Wohnung geworfen worden sein soll, um Flüchtlinge unterzubringen. Wer glaubt denn tatsächlich, dass eine Flüchtlingsfamillie ihm seine Wohnung wegnehmen könnte? Wer verliert tatsächlich seinen Arbeitsplatz, damit ein Flüchtling diesen fortan ausfüllen kann?

Mein Arbeitsplatz jedenfalls ist nicht gefährdet. Wäre er es, wäre entweder eine wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens daran Schuld oder ich selbst, weil ich meinen Job nicht richtig mache oder meinem Arbeitgeber schade.

Und sexuell belästigt wurde ich in meinem Leben auch, sogar sexuell missbraucht – von einem deutschen Familienvater zum Beispiel. Wenn ich lese, dass einzelne Kommunen Flüchtlingen per se Hausverbot für Schwimmbäder erteilen, dann ist das ganz eindeutig eine Diskiminierung, die gegen das Grundgesetz verstößt. Deutsche Jungendliche sind ja auch nicht per se ausgeschlossen sondern müssen sich schon individuell selbst daneben benommen haben, um ein Hausverbot ausgesprochen zu bekommen.

Ich appeliere an Euch und an Sie: Denkt/en Sie doch bitte erst einmal nach, bevor Ihr/Sie helft/en, Gerüchte und somit auch Hass zu verbreiten!

Ein Kommentar zu „Wie darf ein Flüchtling sein, der Pegida, der AfD und vielen Deutschen genehm ist?

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