Wenn Sie – wie ich – zu den älteren Semestern gehören, erinnern Sie sich vermutlich gut an die Zeit, in der die Post noch die Post war mit all ihren Dienstleistungen wie Telefon, Brief- und Paketpost, Postbank und dergleichen. Es war das Postamt, welches man betrat, wohl wissend, dass hinter den mit Panzerglas abgesicherten Scheiben Postbeamte standen, die mitunter ganz gewichtig, vor allem aber sehr gewissenhaft, ihre Aufgabe erfüllten. Und das bedeutete meist auch längere Wartezeiten. Eine Briefmarke musste damals noch angeleckt und aufgeklebt werden, es gab keine selbstklebenden Aufkleberchen. Wer zur Post ging, musste auch (die) Zeit haben.

Mit der Privatisierung und der Spaltung der Post hat sich seither vieles verändert. Es gibt kein Hauptpostamt mehr sondern Postfilialen in Kiosken oder anderen Geschäften oder, wie bei uns in Braunschweig, Postbankfilialen, die Postdienstleistungen anbieten. Während zu Postzeiten noch alles akribisch in Blockschrift ausgefüllt werden musste, haben wir heute den modernen Dienstleistungsbetrieb mit Computer, Scanner und Co. Doch auch wenn Braunschweig keine Hauptpost, ja nicht einmal mehr Postfilialen hat, so hat sich eines nicht geändert: die Wartezeiten ganz besonders vor Weihnachten und anderen Feiertagen bzw. samstags.

Und so erlebt man immer wieder: warten, warten, warten

Post4Post am Samstag 11:44 Uhr, stelle mich draußen an, aber unter dem Dach. Wieviel Menschen vor mir stehen, kann ich nicht sagen. Nach fünf Minuten einen Schritt vorwärts gekommen, Stoppuhr gestartet. Nach weiteren drei Minuten kommt jemand raus und sagt: „Dauert nicht lange, hab ne halbe Stunde gewartet“, grinst und geht vorbei.

Ja, es ist ein großes Einzugsgebiet rund um den Willy-Brandt-Platz, doch woran liegen diese langen Wartezeiten? Seitdem die Paketschalter nach vorne in Richtung Eingang verlegt wurden, passiert es noch eher, dass man sich draußen anstellen muss. Ich habe mir Ohrhörer eingestöpselt, versuche die Zeit für meine Bildung und Unterhaltung zu nutzen. Andere Menschen unterhalten sich laut und man hört den Ärger und die Ungeduld in den Stimmen.

Natürlich – auch ich bestelle Sachen, deswegen stehe ich ja an – kaufen die Menschen immer mehr über das Internet. Sind Sie berufstätig, können sie ihre Päckchen und Pakete nicht entgegen nehmen. Also bleibt nur das Depot bei der Postfiliale bzw. bei der Postbankfiliale und die Lieferung in den kommenden sieben Werktagen abzuholen, wie es die Benachrichtigungskarte im Briefkasten verrät. Ein Blick auf die Benachrichtigung hatte verraten: ich darf mein Päckchen ab dem kommenden Tag (Samstag), 11 Uhr, abholen. Und schon wusste ich, will ich mein Päckchen am Wochenende haben, werde ich Geduld aufbringen müssen. Samstags ist es immer voll in der Postbankfiliale!

Okay, wieder ein paar Schritte geschafft, ich befinde mich mittlerweile innerhalb des Gebäudes. Es werden rund 20 Menschen vor mir sein, genau kann ich es nicht sehen, denn rundherum sind ja Regale mit Waren aufgestellt. Der Kunde soll ja Bücher, Blöcke oder Gimmicks in die Hand nehmen, um sie später zu kaufen. Immerhin, heute sind drei Schalter besetzt. Das heißt, beide Paketschalter sind besetzt und der Schalter für die anderen Postdienstleistungen hilft mit. Dadurch geht es zügiger voran.

Endlich, ich habe es geschafft. Ich kann mein Kärtchen abgeben und erhalte innerhalb von drei Minuten meine Sendung! Ein Blick auf die Uhr verrät: In der Tat, es hat mich rund eine halbe Stunde Wartezeit gekostet. Schön, dass es Hörbücher gibt!

 

2 Kommentare zu „Post: Warten, warten, warten – nur warum?

  1. Es gibt verschiedene Gründe:
    1. Die Post/DHL möchte, dass du doch bitte die Packstationen nutzt und dich dafür bei Paket.de anmeldest
    2. Packstationen kann man nicht mehr ohne Paket.de Account nutzen, früher ging das.
    3. Die Filiale ist chronisch unterbesetzt und die Mitarbeiter überarbeitet, so wurde an den Vortagen der Betrieb schon um 17 Uhr eingestellt, weil keine Mitarbeiter mehr da waren.
    4. Das abholen der Pakete ist technisch grauenvoll schlecht umgesetzt, anstatt Barcode der Abholkarte und Ausweis einfach zu scannen tippen die Mitarbeiter teils 50-100 mal in ihre Tastatur um den Prozess abzuschließen.

    1. Ich glaube, dass da sicher einige Dinge zusammen kommen, frage mich aber, wie es auf der anderen Seite funktionieren soll, Päckchen und Pakete innerhalb einer Stunde an einen Wunschort zustellen zu lassen.

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