Liebe Menschen da draußen – und ja, damit meine ich auch die Politiker -,

könnt Ihr Euch vorstellen, warum immer mehr Menschen Verdruss über die Politik verspüren?

Bestimmt haben jetzt einige Menschen eine schnelle Antwort parat: „Weil die da oben sowieso nur tun, was sie wollen“, „Es ist ja egal, wo ich mein Kreuz mache“ oder „Die wirtschaften sich sowieso alles in die eigene Tasche“ könnte die eine oder andere Antwort lauten. Und ganz gewiss liegt darin auch ein Quentchen Wahrheit.

Beobachtet man beispielsweise das öffentliche Auftreten eines Herrn Seehofers, so kann man ganz sicher schnell zu der Überzeugung kommen, dass er nur tut, was er will. Auch wenn er für das Umsetzen eines Parteiprogrammes, welches vor der vergangenen Wahl beschlossen und veröffentlicht wurde, von seinen Wählern zum Handeln in deren Sinne legitimiert wurde

Und es stimmt auch, dass es (fast) egal ist, wo ein Wähler sein Kreuz macht oder ob er überhaupt zur Wahl geht. Aber eben auch nur dann, wenn alle anderen bewusst zur Wahl gehen und die Mehrheit nicht extrem knapp ist. Am Ende kommt es eben doch auf jede Stimme und jede Wähler an.

Nun, und dass es Politiker gibt, die vor allem auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind, lässt sich in der Tat nicht leugnen. Wir als Wähler könnten aber auch einmal Verantwortung übernehmen und es genau solchen Menschen in Zukunft schwerer machen. Oft genug jedoch werden Menschen, die beispielsweise Steuern hinterziehen, hinterher für ihre dreist-räuberischen Vorgehensweisen noch belohnt. Beispiel gefällig? Okay, der ist zwar kein Politiker, dennoch aber ein Steuerhinterzieher, der für sein (Fehl-)Verhalten auch noch belohnt wurde: Ulli Hoeneß.

Von solchen Auswüchsen habe ich mich bislang dennoch nicht verdrießen lassen. Ich war früher auch selbst politisch engagiert und daher weiß ich, dass auch eine hohe Wahlbeteiligung wichtig ist. Mir ist auch noch bewusster, dass auch die „vernüftigen“ Menschen immer zur Wahl gehen sollten. Und doch bemerke ich bei mir gerade zurzeit eine stärker werdende Unlust, was die Politik anbetrifft.

Für mich sind die meisten Parteien im Moment gar nicht wählbar. Einige aus Prinzip (AfD und ohnehin menschenverachtende Parteien), andere aufgrund ihres Agierens bzw. fehlenden Agierens und/oder ihrer Führungsriege.

Was mich aber im Moment so maßlos anwidert: je näher die Wahlen kommen, desto mehr finde ich landauf landab Politiker, die mit dem Finger auf die Kollegen einer anderen Partei zeigen und ihnen Untätigkeit oder gar Misswirtschaft vorwerfen, wobei sie oft genug genau an diesen Dingen beteiligt sind. Oder will hier jemand ernsthaft behaupten, dass die SPD nicht agieren könnte? Diese populistischen Tendenzen, einer Totgeburt an Kanzlerkandidat ein Leben einhauchen zu wollen, diesen Kandidaten als volksnah zu bewerben, der gleichwohl so fern von Dir und mir ist, und dann mit dem Finger auf die amtierende Kanzlerin zu zeigen, empfinde ich als Armutszeugnis.

Und nein, es wird nicht besser, wenn CDU-Politiker mit dem Finger auf die Kollegen der SPD zeigen. Viel schöner wird es auch nicht, wenn die Oposition anfängt, Politiker anderer Parteien an den Pranger zu stellen…

Wie wäre es denn mal mit einer echten Veränderung? Damit, sich mit den Herausforderungen der Zukunft einmal wirklich zu beschäftigen? Und zwar zusammenhängend! Die Digitalisierung der Welt wird bis in die kleinste Zelle unserer Gesellschaft Folgen haben. Auch wenn sich viele Bürger anfangs weder ein Elektro- noch gar ein autonom fahrendes Auto leisten können werden, so werden sie dennoch von dieser Veränderung massiv betroffen sein. Im Positiven hoffentlich durch eine sauberere Luft in den Städten. Im Negativen wahrscheinlich, weil sie ganz einfach ihren Job in der Autoindustrie oder als Taxifahrer verlieren.

Natürlich können wir – rückwärtsgewandt – jeden Digitalisierungstrend ablehnen und uns bewusst cool mit einem Mobiltelefon ohne smarte Funktionen durch die Welt hangeln. Wir können auch ablehnen, via Internet einzukaufen. Jedoch nur so lange, solange es noch ausreichend Angebot und Sortiment in den Städten gibt. Dann aber werden wir Opfer der Digitalisierung werden. Denn sie kommt so oder so. Wir leben in einem sehr stark vernetzten Land. Um das digitale Fortschreiten im eigenen Land zu verhindern, müssten wir uns abschotten und uns dem Fortschritt verweigern. Dazu benötigten wir allerdings eine starke Binnenwirtschaft, eigene Bodenschätze, genügend Anbaufläche und, und, und.

Nein, meines Erachtens nach kein besonders realistisches Szenario. Und in meinen Augen wäre es der erheblich bessere Weg, den Bürger bei der Digitalisierung und dem Umbau unserer Gesellschaft mitzunehmen. Schließlich geht es uns alle an, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Ich jedenfalls möchte – jenseits der politischen Parteien – mitgestalten! Meine Ideen und Wünsche einbringen und auch die Ideen und Wünsche meiner Mitmenschen hören!

Was gibt es nicht alles für Möglichkeiten, wenn man mal ohne Schranken denken darf! Weniger Autos in den Innenstädten bedeutet vielleicht auch ein sichereres und gesünderes Leben in den Städten, Platz für Spiel und Sport, Platz für Bäume, Blumen, Gemüse und Obst. Platz für Begegnungen. 3D-Drucker könnten helfen, Ersatzteile für dieses oder jenes Gerät zu bekommen. Es könnten 3D-Druckerzentren entstehen, in denen ich mir solche und ander Dinge drucken lassen kann. Autonomes Fahren könnte bedeuten, dass wir keine eigenen Autos mehr benötigen. Wir könnten Flatrates für die Beförderung einführen – je nach eigenem Gebrauch. Wenn Arbeitsplätze in der Industrie und in der Dienstleistung wegfallen, könnte mit Hilfe eines (ausreichend hohen) bedingungslosem Grundeinkommens eine Vielfahlt an Gemeinwohlarbeit entstehen. Gerade kurz bevor die Babyboomer in den Ruhestand gehen, wäre es die Gelegenheit…

Was will ich mit diesem Blogbeitrag sagen? Wir müssen einfach mal aufhören, im eigenen Saft zu schmoren und den anderen Menschen die Schuld zu geben. Wie sagte Marshall B. Rosenberg? „Du kannst Dich entscheiden: Du kannst recht haben oder glücklich werden. Beides geht nicht.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s