#MeToo, ein Hashtag geht durch die Medien und mit ihm tausende von Geschichten, in denen Frauen sich – vielleicht zum ersten Mal – outen, wie sie sexuell belästigt wurden. Mut gehört in jedem Fall dazu, einen solchen Vorfall öffentlich zu machen. Wer unter dem Hashtag #MeToo seine Geschichte postet, empfindet wohl auch ein bisschen Sicherheit, ist eben nicht alleine mit seinem Schicksal.

Ich habe schon mit einigen Männern darüber diskutiert, ob wir Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind oder nicht. Doch schon bei der Definition wird es ja schwierig. Was versteht mein Diskussionspartner eigentlich unter Gleichberechtigung? Dass Frauen und Männer das gleiche Recht haben, etwas zu tun? Und hat das auch etwas mit Chancengleichheit für beide Geschlechter zu tun? Eine ganz banale Frage, die ich häufiger in diesem Zusammenhang gestellt bekam: „Darf ich einer Frau noch die Tür aufhalten, oder ist das schon übergriffig?“

Sicher wird das hier oder dort mal eine Frau übergriffig empfinden, doch das irrelavant. Ich finde, diese und ähnliche Fragen sind schnell geklärt, indem wir sie von der Geschlechterfrage schlichtweg abkoppeln. Dann könnte die Höflichkeit fordern, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft. Oder eben auch nur, dass wir NIEMANDEM jemals die Tür vor dem Kopf schlagen sollten. Wer also beide Hände voll hat, dem kann der andere doch bitte die Tür öffnen oder offen halten. Und dieses Beispiel können wir übertragen auf unglaublich viele Situationen.

So viel zu diesem Nebenschauplatz. Denn um Höflichkeit geht es bei der fehlenden Gleichberechtigung und bei der sexuellen Übergriffigkeit keineswegs. Sondern darum, einen anderen Menschen klein zu machen, zu benutzen oder ihn zu übervorteilen. Und das allein aufgrund des anderen Geschlechtes.

Meine Meinung dazu: wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft – und entsprechend häufiger werden Frauen diskriminiert – auch ohne feste Absicht und auch dann, wenn eine Frau es nicht unbedingt als solches empfindet. Manche Situation erfordert erst ein Nachdenken oder gar ein geschultes Bewusstsein, um die Diskriminierung dahinter zu erkennen. Und dazu tragen die eigene Sozialisierung genauso dazu bei wie Gesellschaftsbilder, die in Medien gezeigt werden. Dazu bedarf es nicht einmal einer überzogenen Werbung, dass Frauen als Sexsymbol Produkte verkaufen sollen etc.. Auch in ganz banalen Fernsehausstrahlungen, Zeitungsartikeln oder ähnlichen Veröffentlichungen werden Wertebilder vermittelt, die allzu häufig stereotype Bilder zeichnen.

Ganz oft liegt mag das am fehlenden Bewusstmachen liegen – und manche Frau beteiligt sich daran nach bestem Wissen, weil sie Ihr Tun und Handeln gar nicht als Diskriminierung empfindet sondern meint, es sei ihr eigener Wille, ihre eigene Entscheidung, die sie dazu gebracht habe. Und manch eine Frau nutzt die Chance sogar für ihre eigene Karriere, trägt aber dennoch dazu bei, dass sich die fehlende Gleichberechtigung und die Chancenungleichheit weiter manifestieren. So wie bei Germanys next Top-Modell. Das Bild, welches gezeichnet wird: Die Frau muss schlank sein und gepflegt. Sie muss gut aussehen, immer bester Laune sein, sich in jede Situation fügen – und gute Mine zum bösen Spiel machen.

In umgekehrter Manier wird das Bild von Männern aufgebaut: ein Mann ist stark, ein ganzer Kerl eben. Der Mann ist männlich! Er ist Chef, sie seine Sekretärin (bei den wenigen Beispielen, in denen es umgekehrt ist, wird die Frau meist als fies, Mannsweib oder besonders hinterhältig gezeichnet). Der Mann darf schon auch mal handgreiflich werden, es ist ja schließlich als Kompliment gemeint.

Um es deutlich zu sagen: sowohl das Frauen- als auch das Männerbild diskriminieren! Aber es ist an uns allen, nicht nach diesen Stereotypen zu handeln, sondern selbstbestimmt Mensch zu werden und Mensch zu sein. Kein Mann muss einer Frau gegenüber übergriffig werden, keine Frau muss sich das gefallen lassen! Sexuelle Übergriffe sind niemals ein Kompliment sondern immer eine Tat!

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