Ja, nun geht es wirklich zu Ende. Heute ist bereits der 30. Dezember. Für mich sind die Tage zwischen den Jahren immer die Zeit zum Reflektieren und Nachdenken – über die Vergangenheit und Ideen schmieden für die Zukunft. Was nicht heißt, dass ich das im Laufe des Jahres nicht auch tue. Allerdings eben nicht so geballt, wie in dieser Zeit.

Meine kleine Mischlingshündin LottaVor einem Jahr lag ich ziemlich krank im Bett und habe dann auch Silvester quasi verschlafen. Für meine kleine Lotta war das wohl eher ein Segen, denn sie hat seit Jahren sehr große Angst vor der Knallerei. Sie geht nur unter allergrößtem Protest noch vor die Tür und selbst in der Wohnung verkriecht sie sich irgendwo. Auch wenn es ganz langsam wieder besser wird, so ist Feuerwerk für sie eine Qual. Ich wiederum mag zwar Feuerwerk, aber eben eher geordnetes und thematisch geführtes Feuerwerk, wie man es jährlich in Hannover Herrenhausen erleben kann. Und den Lärm sowie den Gestank des Feuerwerks mag ich wiederum auch so gar nicht. Selbstverständlich kann ich aber damit leben, solange es nicht zu bunt wird. Dort, wo ich heute wohne, geht es ja auch, ist es also eher ruhig und noch überschaubar. Vor drei Jahren war das noch anders, dort wurde extrem geknallt, auch direkt vor der Haustür. Und dort ging meine Hündin schon am 30. Dezember mit mir nicht mehr vor die Tür.

Doch zurück zum Jahresrückblick: es begann also eher unscheinbar, das Jahr 2017. Aber getan hat sich in diesem Jahr dennoch sehr viel mehr als eigentlich in ein Jahr hineinpassen sollte. Ich habe mich zur Mediatorin ausbilden lassen – was sehr positiv ist. Die Ausbildung begann im Februar – und neben dem wirklich tollen Ausbildungsinhalt habe ich auch tolle Menschen kennengelernt. Es war eine sehr intensive Zeit, die einerseits sehr anstrengend, andererseits auch unglaublich tiefgehend war. Ich habe nicht nur neue Methoden sondern auch über mich eine Menge gelernt. Im kommenden Jahr – und das ist ja eigentlich schon der Ausblick – will ich mein gelerntes Wissen umsetzen und hoffe auf einige MitstreiterInnen aus dem Kurs.

Es gab aber auch andere Dinge, Dinge, auf die ich sehr gut hätte verzichten können: Krebs mit zwei OPs und den damit auch hoffentlich besiegt, Einbruch (ohne große Spuren) aber mit dem Diebstahl von nicht gerade wenig Geld und ein paar anderen Dingen, gelockerte Radmuttern mit einem Beinahe-Unfall, gestohlenes Nummernschild, immer wieder gelockerte Schrauben an meinen Terrassenstühlen, so ich sie denn habe draußen stehen lassen. Ein Miniskusanriss und ein Fahrradunfall (mit heftigsten Gesichtsverletzungen und bleibenden schmerzhaften Narben) gesellen sich zu den weniger positiven Geschehnissen dazu. Dass ich Abgründe über einen Menschen, mit dem ich mal zusammengelebt habe, erfahren habe, darauf hätte ich auch gerne verzichtet. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind jedenfalls etwas anderes. Und die gesundheitlichen Auswirkungen auf mich kann ich nicht einfach beiseite schieben. Ich habe unnötig (falsche) fast anderthalb Jahre lang Medikamente genommen…

Viel zu verarbeiten hatte ich in diesem Jahr und zum Glück haben mir ein paar sehr tolle Menschen dabei geholfen. Wobei ich über das eine oder andere doch noch sehr stark nachdenke. Insbesondere meine Erkrankung an Krebs – mit allen Umständen darum – bewegen mich immer wieder. Ich habe keine Albträume mehr, die Angst ist aber auch noch nicht weg. Wenn ich an die OPs und die Nachwirkungen denke, wird mir auch recht mulmig zumute. Es waren auch meine ersten OPs überhaupt. Ich meide es, wenn es irgendmöglich ist, in ein Krankenhaus zu gehen. Dieses Jahr war es nicht möglich, denn ohne die OPs hätte ich wohl keine Chance gehabt…

Ein Abenteuer habe ich auch erlebt. Ich bin zum ersten Mal mit dem Lokomore (von Wolfsburg aus) nach Berlin gefahren und habe dort ein paar sehr schöne Tage verbracht. Und ob der schönen Erlebnisse war mir der Sturm Xavier als gar nicht so heftig aufgefallen. Auch wenn es immer wieder hieß, Busse und Bahnen würden in Berlin stillstehen, so bin ich doch mit U-Bahn und Bus durch die Gegend gefahren, habe ein paar tolle Fotos vom Festival of lights machen können – insbesondere die Illumination mit Musik am Brandenburger Tor sehr genossen. Dass am Freitag dann alle Züge nach Osten und Norden ausfallen würden, damit hatte ich nicht gerechnet, weil aber auch die Nachrichten- und Informationslage sehr widersprüchlich gewesen war. Als ich morgens von FlixBus (die betreiben den Lokomore mittlerweile) eine erste SMS über meine Zugverbindung bekam, wischte ich zunächst alle restlichen Bedenken beiseite. Später kamen SMS, die von Verzögerungen sprachen. „Okay, dann wäre ich eben nicht um 16 Uhr sondern erst später zu Hause“, dachte ich damals. Am Bahnhof aber hieß es dann von Seiten der Deutschen Bahn, dass alle Zugverbindungen vom Bahnhof Zoo aus ausfielen. Einen Ersatzbus buchen ging nicht, weil ich meinen Hund dabei hatte, einen Mietwagen zu bekommen, war auch nahezu unmöglich – eventuell hätte ich einen für den späteren Abend bekommen.

Vorsichtshalber begab ich mich zum Hauptbahnhof. Dort sollte es doch mehr Informationen – und vor allem verlässlichere – geben. Sollte, ja, gab es aber nicht. Das Reisezentrum barst über. Riesenlange Warteschlangen, zwischendurch Bahnmitarbeiter mit Kaffee und Bonbons. Es liefen aber auch andere Helfer an den Schlangen vorbei, die nach dem Anliegen der Wartenden fragten – und auch für mich hatten sie einen Tipp parat: Es gibt Busse nach Hannover. Doch wo es Tickets für die Busse gab, konnte sie nicht sagen. Also nach unten an die Infostände gelaufen. Erneutes Anstehen, ratlose Gesichter überall, ungeduldige Menschen, traurige Menschen, Menschen mit quengelnden Kindern, mit unruhigen Hunden, mit Hunger und Durst, mit einem Flugticket in der Tasche und der Befürchtung, den Flug zu verpassen… Dann rief einer in der Menge, ob noch jemand eine Fahrgelegenheit nach Wolfsburg haben wolle – und er nutzte die Not der Reisenden aus: 130 Euro pro Person wollte er haben. Zu viel Geld, wie ich fand. Dann hörte ich, dass noch drei Busse nach Hannover führen. Und der erste stand auch schon da, davor eine große Menschentraube. Mehr Menschen als in drei Busse passten. Und doch wollte ich mein Glück ausprobieren und fragte an einer Seite die Wartenden, ob von dort die Busse nach Hannover starten sollten. Sie bejahten – und wir unterhielten uns, tauschten unsere Erfahrungen und Geschichten aus. Dann der nächste Bus, etwas Gedrängel und vor uns dann auch schon Schluss. Nur noch ein Platz, der aber auch schnell vergeben war. Hinter mir ein alkoholisierter und recht ungepfleger Mann, der anfing zu randalieren, unbedingt durchwollte, schubste, drängelte und mich an den Haaren riss. Das ließ ich mir nicht gefallen – zumal der Platz ja längst vergeben gewesen war. Der Mann fing an, noch mehr zu pöbeln, meinte sogar, die Polizei einschalten zu wollen, weil ich ihn nicht durchgelassen habe. Seine Quittung: Die Polizisten, die nur zwei Meter entfernt standen, erteilten ihm Platzverbot. Zum Glück! Und dann kam ein Bahnmitarbeiter und ordnete die Reihen, fragte die Wartenden, wohin sie wollten, wie lange sie warteten. Und die freundlichen Menschen vor mir, sorgten dafür, dass auch ich für den letzten Bus eingeteilt wurde – und ein Ticket spielte auch gar keine Rolle. Puh!

Gegen 19 Uhr fuhr der Bus dann auch los. Noch wusste ich zwar nicht, wie ich von Hannover nach Braunschweig kommen könnte, aber Hannover ist ja schon einmal deutlich dichter an Braunschweig als Berlin. Und dann das große Glück. Ein Stopp an der Raststätte von Helmstedt – und von dort ließ ich mich abholen. Statt gegen 17 Uhr bereits zu Hause zu sein, wurde es 22:30 Uhr. Aber ich hatte es geschafft! Was für eine Freude! Meine kleine süße Wohnung, mein kleiner süßer Garten, alles war noch heil, kein Baum auf mein Auto gestürtzt, noch nicht einmal mein an der Hauswand stehender Sonnenschirm und meine Terrassenmöbel weggeweht. Ich liebe mein Zuhause auch an anderen Tagen, doch an diesem Tag ganz besonders.

Zurückblickend bin ich für viele Dinge in diesem Jahr auch sehr dankbar. Gleichwohl wünsche ich mir für 2018 doch sehr viel mehr Mittelmäßigkeit und meinetwegen sogar auch Langeweile. Ich muss nicht jede Erfahrung machen, die ein Mensch machen kann. Gerne liege ich auch nur mal entspannt im Liegestuhl – auch ganz ohne Rekonvaleszenz.

In diesem Sinne wünsche ich Euch das, was Ihr Euch für das nächste Jahr wünscht und kommt gut rüber!

 

 

 

 

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